Willy Brandts Antrieb für seine Politik der Verständigung zwischen den Völkern – vor allem zwischen Ost und West – war der Wunsch nach einem Leben in Freiheit – für alle.

Dieser Wunsch markierte den Roten Faden, der sich durch die Veranstaltung „Ein Abend für Willy“ in der Mensa der Grundschule Mittelstraße zog.

Foto: Ein Abend für Willy
Luzia Moldenhauer und Karin Beier

In Zusammenarbeit und durch Unterstützung des SPD-Ortsvereins und des Unterbezirks hatte die Beauftragte des UB für das Parteijubiläum „150 Jahre SPD“ im nächsten Jahr, Luzia Moldenhauer, diesen Abend initiiert. Anlass war der 20. Todestag Willy Brandts.

Von den Gästen der Veranstaltung gab es viel Anerkennung im Anschluss: „Das war eine Veranstaltung auf hohem Niveau“, lobte Sebastian Ellinghaus, kommissarischer Leiter der Landeszentrale für Politische Bildung in Bremen und Podiumsteilnehmer, die Mitwirkenden

Die Lesung

Foto: Ein Abend für Willy
Dorit Schlemermeyer, Maik Dannemann, Luzia Moldenhauer

Nach der Begrüßung durch Luzia Moldenhauer begann der Abend mit einer szenischen Lesung, für die Christoph Lanzendörfer Texte und Zitate aus vielen verschiedenen Büchern zusammengestellt hatte. Blitzlichtartig wurden ausgewählte Stationen aus Willy Brandts Leben dargestellt. Luzia Moldenhauer und Christoph Lanzendörfer wechselten sich beim Lesen ab, während Jonathan Kolschen, Claudia Kemper, Bärbel Ehrich, Maik Dannemann und Martin Wolle Zitate aus Brandts Veröffentlichungen vortrugen oder Szenen von Begegnungen nachspielten.

Einige kurze Zwischenbemerkungen und Zwischenrufe kamen von Dorit Schlemermeyer und Günther Meyer, die im Publikum saßen.

"Willy Brandt ans Fenster" - Brandt in Erfurt 1970

Foto: Ein Abend für Willy
Karin Beier berichtet über ihre Erlebnisse als Schülerin vor dem Erfurter Hof.

Der Besuch Willy Brandts am 19. März 1970 in Erfurt und sein Treffen mit Willi Stoph, dem damaligen Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, wurde von Karin Beier aus ihrer Erinnerung geschildert. Sie war damals 14 Jahre alt und hatte versucht, vor dem Hotel Erfurter Hof, in dem sich Willy Brandt aufhielt, einen Blick auf ihn zu erhaschen. Wichtiger aber war das Erleben der Stimmung auf dem Platz vor dem Hotel, auf dem sich trotz Abschirmungsversuche durch Armee und Staatssicherheit eine große Menschenmenge versammelt hatte. Die „Willy Brandt ans Fenster“ – Rufe hallten über den Platz und veranlassten damals nach einigem Zögern Willy Brandt, sich den Menschen am Fenster zu zeigen und eine grüßende, dann beruhigende Handbewegung zu machen. „Diese Handbewegung hat ein Berliner Künstler in 28 Einzel-Sequenzen zerlegt, das Foto ist heute in dem Gebäude zu sehen“, erzählte Karin Beier. Diese Fotos sind Teil einer künstlerischen Aufwertung des ehemaligen Hotels, dazu gehört eine Leuchtschrift auf dem Dach „Willy Brandt ans Fenster“ sowie die nächtliche Beleuchtung des Fensters, aus dem Willy Brandt damals schaute. Karin Beier ist Mitbegründerin und stellvertretende Vorsitzendes des Förderkreises „Willy Brandt im Erfurter Hof“, der dieses Ereignis in Erinnerung halten möchte. Zur Unterstützung der Schilderungen wurde ein kurzer Filmausschnitt gezeigt, bei dem der bekannte Fernsehreporter Gerd Ruge vom Platz vor dem Hotel live berichtete. Bilder, die die Anwesenden sehr berührten.

Foto: Ein Abend für Willy
Olaf Lies unterhält sich mit Karin Beier

Die Lesung beendete der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies mit einem Auszug aus der Abschiedsrede Willy Brandts, die dieser am 14. Juni 1987 vor dem außerordentlichen Parteitag der SPD in der Bonner Beethovenhalle als Rückblick auf 23 Jahre Parteivorsitz gehalten hat. Damit legte Brandt sein Amt als Parteivorsitzender nieder.

Die Talkrunde

Foto: Ein Abend für Willy
Günther Meyer, Sebastian Ellinghaus und Thomas Neumann im Gespräch

Die Auszüge aus dieser Rede stellten eine Verbindung zwischen der Lesung, die vergangenheitsbezogen war, und der sich anschließenden Talkrunde dar, die einen Blick in die Zukunft wagte mit der Fragestellung „Was bedeutet Willy Brandt für uns heute und was können wir jüngeren Menschen von ihm mit in die Zukunft geben“?

Als auflockernde Grundlage zu dieser Frage wurden Kinderbriefe an Willy Brandt vorgelesen, die verbunden waren mit der Frage, ob Kinder auch heute noch solche offenen Briefe voller Zuneigung für einen Politiker schreiben könnten.

Für Olaf Lies war Willy Brandt eine Persönlichkeit, der bei den Menschen beliebt war und dem sie vertrauten. Dadurch war Brandt in der Lage, nicht nur die Stimmen, sondern auch die Herzen der Menschen zu gewinnen. Er wünschte sich, dass das Vertrauen in die Politik und die PolitikerInnen wieder gewonnen werden könne.

Sebastian Ellinghaus ging auch kritisch auf die Person Willy Brandt ein: „Wir sollten ihn nicht mystifizieren“, meinte er, „Brandt war eben auch ein Mensch.“ Dennoch anerkannte er seine Leistung in der Ostpolitik und hob Brandts Einstehen für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität hervor.

Die etwas mehr als anderhalbstündige Veranstaltung endete mit Gesprächen bei Getränken und Häppchen.

Impressionen vom Abend

Foto: Ein Abend für Willy
Johanna Block mit Susanne Cohrs aus Stuhr - die beiden hatten offenbar viel Spaß.
Foto: Ein Abend für Willy
Das Ehepaar von Freden aus Schwaförden.
Foto: Ein Abend für Willy
Olaf Lies im Gespräch mit Hans-Peter Kempf aus Bruchhausen-Vilsen
Foto: Ein Abend für Willy, Foto: Niederheide
Auf dem Podium sitzen Sebastian Ellinghaus, Dr. Christoph Lanzendörfer, Karin Beier, Luzia Moldenhauer, Olaf Lies. Foto: Niederheide

Anmerkungen:

UB-Vorsitzende Astrid Schlegel musste leider krankheitsbedingt absagen.

Ein Dank geht auch an Manfred Schmidt aus Stühren, der spontan zum filmpolitischen Sprecher des Abends ;-) ernannt wurde und die Kameraführung für die Videoaufzeichnung übernahm.

Landtagskandidat Joachim Oltmann (Wahlkreis 42, Diepholz) musste sich wegen eines anderen Termins entschuldigen.